Lobbyarbeit deluxe

Gerade hab ich folgende Schlagzeile gesehen:
Nokia drückt Überwachungsrechte für E-Mails durch
Der zugehörige Artikel liest sich wie ein Märchen:

Der Handyhersteller Nokia hat von Finnlands Regierung Überwachungsrechte für alle E-Mails eigener Mitarbeiter verlangt und andernfalls mit dem Abzug des Unternehmens gedroht. [...] Die Regierung von Ministerpräsident Matti Vanhanen habe mit Blick auf den möglicherweise drohenden Verlust von 16.000 finnischen Nokia-Arbeitsplätzen sowie Steuereinnahmen die gewünschte Gesetzesinitiative eingeleitet.

[heise.de]

Wie kann es sein, dass ein Unternehmen eine derartige Macht bekommt? Gerade in Zeiten der “Globalisierung” sollte es doch möglich sein, Unternehmen an solchen Aktionen zu hindern. Da ist nicht mehr der Bürger die Demokratie, sondern die Unternehmen.

Kommentare & Trackbacks (4)

Der Kau
schrieb am 1. Februar 2009, 22:13 Uhr

Mit der Demokratie gehts schon seit Jahren bergab… Die großen / mächtigen Staaten sind inzwischen so stark von den großen Unternehmen abhängig, dass sie auch wirklich alles tun, was diese verlangen… Natürlich kann des auch umgekehrt sein, wie es zum Beispiel in Russland der Fall ist ( Gazprom und Kremel / Putin ).

Ich kann mir gut vorstellen, dass Deutschland genauso handeln würde, wenn ein großes, Struktur immanentes Unternehmen hier das gleiche vorhaben sollte.

Benny
schrieb am 4. Februar 2009, 03:44 Uhr

Und wieder seh ich eigentlich kein Problem dahinter? Solange hier nur firmenintern die Mails überwacht werden (also halt am Firmenrechner im Firmennetzwerk). Was ist daran so schlimm. Es wird auch kontrolliert wann und mit wen du telefonierst. Am Arbeitsplatz gibt es nun mal keine Privatsphäre. Wer meint am Arbeitsplatz eben private Dinge zu erledigen müssen, muss damit rechnen, das der Chef es erfährt.

Und Demokratie gab es doch nie wirklich ;) – Bzw. der Bürger interessiert sich doch nicht für das was Demokratie ist.

Der Kau
schrieb am 16. Februar 2009, 18:00 Uhr

Der Datenschutz ist nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ein Grundrecht (Recht auf informationelle Selbstbestimmung). Danach kann der Betroffene grundsätzlich selbst darüber entscheiden, wem er welche persönlichen Informationen bekannt gibt.

Der Arbeitsplatz wäre also deiner Meinung nach rechtsfreier Raum. Denn wenn man hier nicht mal den Datenschutz beachtet, wäre also die logische Folgerung, dass die anderen Grundrechte ebenfalls keine Priorität besitzen.

Wieso sollte der Arbeitsplatz keine Privatsphäre besitzen? Lies dir das hier mal durch:
http://www.focus.de/karriere/management/business-knigge/benimm-coach/betriebsklima_aid_130175.html

Und die Aussage, dass der Bürger sich nicht für das was die Demokratie ist, interessiert, muss ich ebenfalls widersprechen. Glaubst du, dass es einer pluralistischen Gesellschaft, wie es hier in ( fast ) jedem europäischen Land vorhanden ist, egal ist, wenn es plötzlich nur noch eine Partei ( wie im 3. Reich ) geben würde? Oder wenn unsere Demokratie sich in ein kommunistisches System verwandeln würde und alles nur noch scheinbar ( ! ) durch direkte ( manipulierte ) Wahlen verlaufen würde? Der Mensch ist nur dann zufrieden, wenn er frei ist. Sobald seine Freiheiten eingeschränkt werden, wird er sich gegen diese Zwänge ( in Form von Gesetzen und Regelungen -> Verfassung ) wehren, außer natürlich, wenn die Gesetze und Regelungen seinem eigenen Schutz dienen, wie es in unserer Verfassung der Fall ist.

Wir haben nicht umsonst zwei Weltkriege verloren, damit wir endlich eine Demokratie errichten konnten, wo der Bürger das politische Wirken mit bestimmen kann. Denn davor hatte der Bürger an sich nicht viel zu sagen, sondern nur die oberen “Eliten”.

Der Kau
schrieb am 16. Februar 2009, 18:08 Uhr

Der Link führt übrigens zu einem “Test”. Allerdings erwähnt schon die Einleitung die Problematik. Wenn du weitere Informationen zum Datenschutz willst, einfach mal danach googlen. Oder einen Blick in unsere Verfassung werfen.

Du siehst hier vlt kein Problem. Aber ich sehe hier ein rießengroßes Problem. Wo kommen wir denn hin, wenn einzelne Unternehmen Regierungen (!) erpressen können? Am Ende führt das warscheinlich noch zu einem neuen Staatssystem, in der nur noch die Firmen das sagen haben und die Bürger reine Arbeitstiere sind ( achtung Ironie… wobei ich mir das bei der derzeitigen Lage gut vorstellen könnte…. >.< ).
Ums auf den Punkt zu bringen. Man erkennt ( bzw sollte man erkennen ) zwei Kernproblematiken: Der Demokratieanspruch der Staaten und die Privatsphäre der Arbeiter. Allerdings wird man um diese Problematik zu schildern warscheinlich eine Facharbeit schreiben müssen… da langt die Zeit und warscheinlich auch die Kapazität dieses Kommentarkästchens nicht ;)

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Der Kau: Der Link führt übrigens zu einem “Test”. Allerdings erwähnt schon die Einleitung die...

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Benny: Und wieder seh ich eigentlich kein Problem dahinter? Solange hier nur firmenintern die Mails überwacht werden...

Der Kau: Mit der Demokratie gehts schon seit Jahren bergab… Die großen / mächtigen Staaten sind inzwischen so...

Steffen: Das stimmt, aber die Grundproblematik bleibt ja dennoch bestehen. Wenn der Staat immer mehr Schulden...

 

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